DRECK (ad #1.2)

Viel ekelerregnder – moralisch auf einer Linie mit Umsganze und Co. – ist etwa dieser Dreck:

Montag, 26. Oktober 2009, 19.00 Uhr
Goethe-Universität – Campus Westend
Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main
Casino-Gebäude am IG Farben-Haus, Raum 1.801

Hitler besiegen
Warum Israel sich endlich vom Holocaust lösen muss

Buchvorstellung und Diskussion
Avraham Burg im Gespräch mit Micha Brumlik

aus dem israelischen, also nationalen – und nicht jüdischen – kollektiv desertierende juden und jüdinnen: vaterlandsflüchtige und -verräter, kosmopolitisch-egoistisch statt staatstreu; moralisch verkommen, weil sich nicht bis zum letzten fürs nationale wohl aufopfernd; netzbeschmutzer.

DRECK.

avraham burg: DRECK.
micha brumlik: DRECK.
alle anderen jüdinnen und juden, die nicht bedingungslos sich aufopfern für israel: auch DRECK.

Tisserand: kein dreck, weiße weste. marke: anti und deutsch.

#1

1. das psychoanalytische vokabular, in der linken szene des deutschsprachigen raumes benutzt, dient in geschätzten 98% der pathologisierung des gegenübers. es dient der abwehr.
2. die linke szene des deutschsprachigen raumes ist großteils blind für sekundären antisemitismus in den eigenen reihen. das gilt auch für so genannte antideutsche. „Diese Linken benehmen sich wie konkurrierende Erbschleicher“ (Café Morgenland/Fluchschrift). nirgendwo zeigt sich das deutlicher als in den auseinandersetzungen um so genannte ‚alibi-juden‘. benutzen die einen kritiker_innen der israelischen regierungspolitik, um sich so vom antisemitismus-verdacht zu befreien, so meinen die anderen jene jüdinnen und juden belehren zu müssen, ihnen eine einführung ins heute korrekte jüdisch-sein geben zu müssen. damit folgen letztere ihren liberalen vorgänger_innen des 19. jahrhunderts. auch diese hatten die jüdische minderheit deutschlands belehrt, wie durch korrektes verhalten der antisemitismus aus der welt geschafft werden könne. die jüdinnen und juden, die sich nicht diesen deutschen empfehlungen unterwerfen wollten, wurden sodann als (mit)ursache für den antisemitismus ausgemacht – bekanntlich ist nach antisemitischer denkart immer der jude selber schuld!
das gerede vom ‚alibi-juden‘ ist abzulehnen, was nicht heißt, dass nicht darauf aufmerksam gemacht werden sollte (und muss), dass so manche jüdischen oder israelischen kritiker_innen der isrealischen politik den neonazis allerbeste vorlagen bieten. (so wird avnery regelmäßig auf altermedia veröffentlicht.)
3. die linke szene des deutschsprachigen raumes ist großteils blind für rassismus in den eigenen reihen. während die einen gerne ‚das fremde‘ mancher migrant_innen in schutz nehmen und überhöhen, bekämpfen und erniedrigen die anderen dasselbe. beide naturalisieren dabei kultur und soziales, beide meinen ‚die‘ seien ‚nun mal so‘, das müsse man respektieren bzw. dürfe man nicht respektieren. beide haltungen – jeweils nur die einfache spiegelung der anderen – bieten anschlussmöglichkeiten an die reaktionären theorien eines de benoist oder eichberg, und das nicht ohne grund. beide haltungen sind falsch.